Vor 56 Jahren, am 28.Juni 1969, kam es in der Christopher Street in New York zu gewaltsamen Polizeirazzien und Räumungen in queeren Bars.
Aus den anschließenden Protesten entwickelte sich nicht nur der, mittlerweile in vielen Ländern, jährliche Christopher-Street-Day, sondern eine weltweite Bewegung. Das Ziel bestand und besteht darin, Respekt, Anerkennung und politische Rechte zu erlangen, aber auch aus der verschämten Unsichtbarkeit in eine selbstverständliche Öffentlichkeit zu gelangen.
Queer beschreibt kurz gesagt, Menschen, die sich nicht als heterosexuell definieren oder sich mit in ihrem angeborenen oder zugewiesenen Geschlecht nicht identifizieren können.
Die Grünen im Ortsverband Betzdorf-Gebhardshain und Kirchen haben sich informiert und gefragt: wie ist es bei uns auf dem Land und wo gibt es Anlaufstellen für die zweifelsfrei vorhandene queere Community. Besonderes Interesse galt den Jugendlichen im Kreis. Dominic Pritz vom KOMPA Ev. Kinder- und Jugendzentrum Altenkirchen berichtet auf Nachfrage, dass es in Altenkirchen eine queere Jugendgruppe und eine Selbsthilfegruppe für Angehörige gibt.
Es geht vor allem darum, eine niedrigschwellige, vertrauensvolle und vorurteilsfreie Anlaufstelle zu bieten. Jugendliche erfahren oft Ablehnung und Unverständnis. Vor allem aber brauchen sie Unterstützung, sich zu orientieren, sich selbst zu akzeptieren und um ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Eltern und Angehörige unterstützen sich durch den Austausch in der Selbsthilfegruppe „Family Affairs“ im Mehrgenartionenhaus.
„Oft wird Toleranz behauptet“, so Dominic Pritz, „aber sobald sich im eigenen Umfeld Jugendliche oder Bekannte outen, hört die Toleranz auf“.
Es wird berichtet, dass auch in unserem Kreis Mobbing, Diskriminierung und Straftaten gegenüber queeren Menschen stattfinden. Die Kriminalstatistik weist eine steigende Anzahl dieser Straftaten aus, wobei es eine erhebliche Dunkelziffer gibt. Laut BKA sind die Fallzahlen politisch motivierter Straftaten gegenüber LSBTIQ* Personen b bundesweit von 2353 Fällen in 2023 auf 2973 Fälle in 2024 gestiegen. [Quelle: BKA – Factsheet: Bundesweite Fallzahlen 2024 Politisch motivierte Kriminalität, S. 11, Summe der Delikte wegen „Geschlechtsbezogener Diversität“ und „Sexueller Orientierung“]
Durch den immensen Rechtsruck in der Gesellschaft ist auch die Offenheit innerhalb der queeren Community in Gefahr und es wird versucht queere Menschen wieder in den Untergrund und in den Schatten zu drängen.
„Queere Menschen gehören zu unserer bunten und vielfältigen Gesellschaft“, so Anna Neuhof als Vorsitzende des Ortsverbandes, „es ist fatal, dass es immer noch in allen Lebensbereichen zu Ausgrenzungen kommt. Kein Mensch darf wegen seiner sexuellen Orientierung benachteiligt oder psychisch und physisch angegriffen werden. Dafür stehen wir und dafür treten wir ein“.
Anlaufstellen
- Selbsthilfegruppe für Angehörige „Family Affairs“ im Mehrgenerationen Haus in Altenkirchen, jeden letzten Mittwoch im Monat ab 19:00Uhr
- Anlaufstelle für Jugendliche: KOMPA Ev. Kinder- und Jugendzentrum Altenkirchen