Aus Böschungspflege wird Bodenfruchtbarkeit
Der grüne Ortsverband Betzdorf-Gebhardshain und Kirchen hat, besonders mit Blick auf die Landwirtschaft, über regionale Nährstoffkreisläufe diskutiert.
Was heute bei der Böschungspflege, an Straßenrändern oder bei der kommunalen Grünpflege als Reststoff anfällt, könnte künftig stärker zum Rohstoff für die Landwirtschaft werden. Es könnte ein echter regionaler Nährstoffkreislauf werden.
„Wir müssen aufhören, Reststoffe nur als Entsorgungsproblem zu betrachten. Holz- und Strauchschnitt, Kompost, Mist, Gülle und andere organische Stoffe können wertvolle Bestandteile regionaler Kreisläufe sein“, erklären die Grünen.
Dabei geht es um mehr als um die Suche nach Alternativen zum mineralischen Dünger. Gesunde Böden, Humusaufbau und eine bessere Nutzung regional vorhandener Nährstoffe machen Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen Trockenheit, steigende Energiepreise und globale Lieferengpässe.
Pflanzenkohle aus Landschaftspflege?
Besonders interessant ist für die Grünen die Frage, ob geeignete und unbelastete Holzreste aus der Landschafts- und Böschungspflege regional zur Herstellung von Pflanzenkohle genutzt werden können.
„Wir sollten prüfen, ob aus einem Teil des anfallenden Holz- und Strauchschnitts Pflanzenkohle entstehen kann, die anschließend gezielt für Bodenverbesserung eingesetzt wird.“
Pflanzenkohle könne Wasser und Nährstoffe speichern und Kohlenstoff langfristig im Boden binden. Voraussetzung seien jedoch geeignete Ausgangsmaterialien, kontrollierte Herstellungsverfahren und strenge Qualitäts- und Schadstoffkontrollen.
Pflanzenkohle soll dabei ausdrücklich kein Ersatz für guten Kompost sein. Entscheidend sei vielmehr das Zusammenspiel von Kompost, organischer Düngung, Pflanzenkohle, Humusaufbau und vielfältigen Fruchtfolgen.
Der Kreis Altenkirchen verfügt bereits über einen wichtigen Baustein: Der Abfallwirtschaftsbetrieb verarbeitet Grünschnitt zu Kompost. „Darauf können wir aufbauen. Wir müssen nicht bei null anfangen.“
Ein möglicher Weg wäre gemeinsam mit Landwirtschaft, Kommunen, Abfallwirtschaft, Forst, Straßenmeistereien und weiteren Partnern zu untersuchen, welche Stoffströme im Kreis vorhanden sind und wie sie regional genutzt werden können.
Auch Leguminosen wie Klee, Luzerne, Erbsen oder Ackerbohnen, Zwischenfrüchte sowie Mist, Gülle und Gärreste sollen stärker in den Blick genommen werden. Sie können dazu beitragen, Nährstoffe im regionalen Kreislauf zu halten und den Einsatz mineralischer Dünger zu reduzieren. Zudem würde die Abhängigkeit vom Kunstdünger verringert, was gerade in Zeiten von unsicheren Lieferbedingungen und horrenden Preisen der Landwirtschaft zugute kommen würde.
Der Ansatz steht auch im Einklang mit den Forderungen des grünen Europaabgeordneten und Bioland-Landwirts Martin Häusling, der eine stärkere Unabhängigkeit der Landwirtschaft von synthetischem, fossil erzeugtem Dünger und eine stärkere Nutzung regionaler Nährstoffkreisläufe fordert.
„Wir wollen keine Landwirtschaft ohne Düngung. Wir wollen eine Landwirtschaft, die vorhandene Ressourcen besser nutzt, Böden aufbaut und weniger abhängig von fossilen Rohstoffen und globalen Märkten ist. Wenn wir regionale Ressourcen konsequent nutzen, können sie zum Baustein für fruchtbare Böden, regionale Kreisläufe und eine zukunftsfähige Landwirtschaft werden“, so das Fazit der Grünen.